Martina Stoib präsentiert das Stifterbild der Hofwirtsfamilie Mayr in Aschau


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Ein barockes Bild erzählt Aschauer Dorfgeschichte
Am Freitag, dem 6. November 2026, lädt der Heimat- und Geschichtsverein Aschau zu einem kulturhistorischen Vortrag über das Stifterbild der Hofwirtsfamilie Mayr ein. Martina Stoib stellt das außergewöhnliche Kunstwerk und die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschungsarbeit vor. Der Abend verbindet regionale Geschichte, Barockkunst und die bewegende Familiengeschichte eines bedeutenden Aschauer Bildes.
Ein ungewöhnliches Kunstwerk auf Kupfer
Das um 1702 entstandene Ölgemälde zeigt die Hofwirtsfamilie Mayr vor einem Gnadenaltar nach dem Vorbild der Münchner Herzogspitalkirche. Mit einer Größe von etwa 160 auf 55 Zentimetern gehört die großformatige Kupfertafel zu den bemerkenswerten Bildträgern ihrer Zeit. Als Maler wird Jakob Carnutsch aus Prien vermutet.
Die Verwendung von Kupfer verleiht dem Werk eine besondere kunsthistorische Qualität. Während Kupfer häufig bei kleinen Votivtafeln oder als Druckplatte begegnet, ist ein Gemälde dieses Formats auf einer Kupfertafel ausgesprochen selten. Kleidung, Rosenkränze, Wappen und individuelle Gesichtszüge eröffnen einen detailreichen Blick auf den sozialen Rang und die religiöse Vorstellungswelt der Familie.
Familienbild und Zeugnis einer schweren Zeit
Die narrative Kraft des Stifterbildes liegt in seiner Verbindung von Repräsentation und persönlichem Gedenken. Neun Familienmitglieder knien vor dem Altar; im Vordergrund erinnern 18 gewickelte, durch Kreuze gekennzeichnete Kinder an die hohe Kindersterblichkeit des frühen 18. Jahrhunderts. Das Gemälde bewahrt damit nicht nur eine fromme Stiftungsgeschichte, sondern auch die existenziellen Erfahrungen einer vergangenen Gesellschaft.
In mehreren Phasen wurde das Bild erweitert. Nach 1707 sowie zwischen 1753 und 1755 kamen weitere Familienmitglieder hinzu. Besonders Maria Anna Mayr, Erbin des Hofwirts und Stifterin der benachbarten Kreuzkapelle, prägte die spätere Gestalt des Kunstwerks. So wurde aus einem Stifterbild zugleich ein einzigartiges Dokument der Familien-, Sozial- und Kirchengeschichte Aschaus.
Restaurierung bringt verborgene Details zurück
Nach einer aufwendigen Restaurierung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Hauptabteilung Kunst der Erzdiözese München und Freising ist das Gemälde seit Juni 2026 wieder in der Aschauer Pfarrkirche Darstellung des Herrn zu sehen. Verschmutzungen, Abplatzungen, Kratzer und gelöste Farbschichten hatten zahlreiche Einzelheiten lange verdeckt.
Die Restaurierung machte Farbwirkungen, kostümgeschichtliche Details und die präzise Charakterisierung der dargestellten Personen wieder sichtbar. Martina Stoib ordnet diese Befunde in ihrem Vortrag in die barocke Dorfgeschichte und die Entwicklung der Hofwirtsfamilie Mayr ein. Der Abend bietet damit eine kenntnisreiche Autor-Begegnung mit regionaler Forschung und ein eindringliches literarisches Erlebnis der besonderen Art: Geschichte wird nicht abstrakt, sondern anhand eines konkreten Bildes, seiner Figuren und seiner Schicksale erfahrbar.
Ein Abend für Kunst- und Geschichtsinteressierte
Die Lesungs- und Vortragsatmosphäre im katholischen Pfarrheim schafft Raum für konzentrierte Betrachtung, historische Einordnung und den kulturellen Diskurs über Erinnerung, Glauben und regionale Identität. Der Vortrag richtet sich an alle, die sich für Barockkunst, Heimatgeschichte, Denkmalpflege und die Geschichten hinter historischen Kunstwerken interessieren.
Besucher erwartet ein informativer und zugleich berührender Abend über ein restauriertes Kunstdenkmal, das die Vergangenheit Aschaus unmittelbar zum Sprechen bringt. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 17:30 Uhr, Getränke werden angeboten.
Fazit: Barocke Dorfgeschichte live erleben
Das Stifterbild der Hofwirtsfamilie Mayr verbindet kunsthistorische Seltenheit mit menschlicher Nähe und regionaler Erinnerung. Wer die Geschichte des Chiemgaus aus einer neuen Perspektive entdecken möchte, erlebt bei Martina Stoibs Vortrag einen Abend voller Erkenntnisse, Bilddetails und historischer Tiefe. Der Heimat- und Geschichtsverein Aschau lädt dazu ein, dieses besondere Kapitel der Dorfgeschichte live mitzuerleben.
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