Skispringen: Olympia-Qualifikation in Gefahr
Olympia fast verspielt: Karl Geiger droht das Aus nach Platz 27
Karl Geiger hat in Sapporo zwar ein Lebenszeichen gesendet – sportlich und für seine interne Olympia-Qualifikation kommt es jedoch womöglich zu spät. Auf der Olympiaschanze von 1972 stand der Oberstdorfer erstmals seit Ende November wieder im zweiten Durchgang, doch nach einem starken Auftakt wurde der Wettbewerb für ihn zum Rückschlag: Ein Sprung auf 132,0 Meter brachte ihn zunächst auf Rang zwölf, im Finale fiel er nach 114,0 Metern bis auf Platz 27 zurück. Die geforderte Norm bleibt damit weiterhin unerfüllt.
Ein guter erster Sprung, dann der deutliche Rückschlag
Der Wettbewerb begann für Geiger mit einer Leistung, die lange vermissen ließ, dass er zur erweiterten Spitze gehören kann. 132,0 Meter reichten im ersten Durchgang für Platz zwölf – eine Position, aus der heraus ein klares Ausrufezeichen möglich gewesen wäre. Genau das wäre in seiner Lage entscheidend gewesen: Nicht „irgendwie“ im zweiten Durchgang zu stehen, sondern ein Ergebnis zu liefern, das in der internen Auswahl messbar zählt.
Im zweiten Sprung folgte jedoch der Einbruch. Mit 114,0 Metern verlor Geiger im dichten Mittelfeld schlagartig viele Plätze und beendete den Wettkampf nur als 27. Dass er den Finaldurchgang überhaupt erreichte, ist ein kleiner Schritt nach vorn; für das Olympia-Rennen ist es aber vor allem ein verpasster Moment – weil der erste Sprung den Weg geöffnet hatte, der zweite ihn wieder zuschlug.
Warum Platz 27 für Geiger nicht reicht
Die Anforderungen an Geiger sind klar und hoch: Für eine Teilnahme an den Winterspielen in Italien muss er im Weltcup entweder zweimal unter die besten 15 springen oder einmal unter den besten 8 landen. Beides ist ihm in dieser Saison bislang nicht gelungen, sein bestes Resultat bleibt Rang 23 im November in Lillehammer.
Genau deshalb wiegt Sapporo schwer. Platz 27 bringt in der entscheidenden Phase weder Punkte noch Argumente – und er verschärft den Zeitdruck. In der Nacht zum Sonntag braucht Geiger nun ein Top-Acht-Ergebnis, anders lässt sich die Vorgabe im verbleibenden Zeitfenster nicht mehr erfüllen. Der Qualifikationszeitraum endet am Sonntagabend.
Die Lage ist auch deshalb heikel, weil die Konkurrenz im eigenen Team nicht schläft – im Gegenteil: Mehrere deutsche Springer haben die Vorgabe bereits erfüllt. Bundestrainer Stefan Horngacher wird aller Voraussicht nach nur vier Athleten mit zu den Spielen nehmen. Damit zählt am Ende nicht nur, ob Geiger „wieder besser springt“, sondern ob er Ergebnisse produziert, die im direkten Vergleich eine Nominierung rechtfertigen. In diesem Raster ist Platz 27 praktisch ein Nullsummenspiel.
Raimund erfüllt die Vorgabe, Prevc gewinnt in Sapporo
Bester Deutscher in Sapporo war Philipp Raimund auf Rang 15. Er gehört bereits zu den Springern, die die Olympia-Norm erfüllt haben. Das gilt auch für Felix Hoffmann, Andreas Wellinger und Pius Paschke, die auf die Wettkämpfe in Japan verzichteten. Luca Roth landete auf Platz 31.
Den Sieg holte sich Domen Prevc. Der Slowene gewann vor Naoki Nakamura und Ren Nikaido. Zudem gab es erneut eine Disqualifikation: Ziga Jancar wurde wegen einer nicht regelkonformen Schuhgröße aus dem Wettbewerb genommen – ein Beispiel dafür, wie strikt im Skispringen bei der Materialkontrolle vorgegangen wird und wie schnell ein Ergebnis auch abseits der Schanze verloren gehen kann.
Für Geiger bleibt nach Sapporo vor allem eine unbequeme Schlussfolgerung: Der zweite Durchgang war ein Signal, dass er grundsätzlich wieder konkurrenzfähig sein kann. Für seine Olympia-Chance reicht das aber nicht mehr – er braucht nun ausgerechnet das Ergebnis, das ihm in dieser Saison noch nicht gelungen ist.

