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Deutsche Wintersportler liefern starke Signale

Wintersport-Tag der deutschen Erfolge: Aicher siegt, Wendl/Arlt holen EM-Gold – Morgan und Grotian erfüllen Olympia-Normen

Dieser Wintersport-Sonntag sendet aus deutscher Sicht gleich mehrere belastbare Signale in Richtung Winterspiele: ein Sieg im alpinen Weltcup, ein EM-Titel im Rodeln, Podestplätze in der Nordischen Kombination und im Snowboard – und vor allem zwei erfüllte Olympia-Normen, die in der internen Konkurrenz um Kaderplätze oft mehr zählen als ein „ordentliches“ Ergebnis. Viele Entscheidungen fallen dabei im Detail: Hundertstel im Eiskanal, ein Patzer im zweiten Lauf, drei Strafrunden am Schießstand.

Im Mittelpunkt stehen der Super-G-Triumph von Emma Aicher in Tarvisio, der fünfte EM-Titel von Tobias Wendl und Tobias Arlt in Oberhof sowie die Norm-Erfolge von Selina Grotian (Biathlon) und Annika Morgan (Freestyle-Snowboard). Dazu kommen ein knapp verpasster Sieg von Johannes Lochner im Viererbob und weitere deutsche Top-Platzierungen quer durch die Disziplinen.

Aicher setzt in Tarvisio das Ausrufezeichen des Tages

Emma Aicher liefert im italienischen Tarvisio den deutschen Höhepunkt im alpinen Bereich. Die 22-Jährige gewinnt den Super-G in Bestzeit. Lindsey Vonn folgt mit 0,37 Sekunden Rückstand auf Rang zwei, Ester Ledecka wird Dritte. Kira Weidle-Winkelmann unterstreicht das solide Team-Ergebnis als Achte.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Nur wenige Tage nach ihrem Aus im Slalom von Flachau gelingt Aicher die sportliche Antwort. Im Super-G passten Linie, Rhythmus und Risiko – ein Sieg, der nicht nur Punkte bringt, sondern auch das Selbstverständnis schärft: In einer Disziplin, in der Fehler oft erst im Ziel mit Hundertsteln bestraft werden, hatte sie an diesem Tag die stabilste Kombination aus Angriff und Kontrolle.

Ruhpolding bringt Grotian die Norm – Nawrath hat Tempo, aber zu viele Strafrunden

Im Biathlon-Verfolger der Frauen in Ruhpolding gewinnt Lou Jeanmonnot vor Hanna Öberg und Camille Bened. Aus deutscher Sicht rückt Selina Grotian in den Fokus: Mit Platz 13 erfüllt sie die zweite Hälfte der Olympia-Norm. Solche Normen sind im Kern ein sportlicher Nachweis unter Wettkampfbedingungen – wer sie erfüllt, erhöht seine Planungssicherheit für die Nominierungsphase und entlastet sich im internen Auslese-Druck, der bis kurz vor den Spielen anhalten kann.

Franziska Preuß wird als beste Deutsche Siebte. Eine Strafrunde im letzten Schießen nimmt ihr die realistische Chance, im Kampf um die Top drei anzugreifen. „Die Gefühle sind gemischt“, sagt Preuß – ein Satz, der den Kern des Verfolgers trifft: Vier Schießeinlagen können ein Rennen, das läuferisch stimmt, in Sekunden drehen.

Bei den Männern wird genau diese Wechselwirkung sichtbar. Philipp Nawrath läuft als Viertschnellster – drei Strafrunden aber verhindern den Sprung nach vorn. Am Ende wird er als bester Deutscher Zehnter. „Wenn man mit einem Fehler reinstartet, denkt man, man läuft nur hinterher“, sagt Nawrath. Immerhin gelingt ihm zum Abschluss die Null im letzten Schießen: „Mit einer Null abzuschließen ist zumindest ein guter Abschluss.“

Nawraths Resultat ist damit zweischneidig: Die Laufdaten bestätigen die Form für hohe Belastungen – am Schießstand fehlte jedoch die Basis, um das Tempo in ein Ergebnis umzumünzen. Genau dort entscheidet sich in dieser Saisonphase, wer nicht nur „schnell“, sondern auch konkurrenzfähig für große Meisterschaften ist.

Wendl und Arlt krönen sich erneut – Lochner verpasst den Sieg hauchdünn

Tobias Wendl und Tobias Arlt holen in Oberhof zum fünften Mal den EM-Titel im Doppelsitzer. Es ist ihr erster Europameistertitel seit 2019 – und zugleich der 59. Weltcup-Sieg ihrer Karriere. „Unvorstellbar. Mir fehlen die Worte“, sagt Wendl. Arlt hebt die Bedingungen in Oberhof hervor: „Die Stimmung war unglaublich, richtig schön.“ Hinter der Emotionalität steht ein sportlicher Befund: Wendl/Arlt liefern unter Druck weiterhin ab und stabilisieren eine Saison, in der die Konkurrenz spürbar dichter geworden ist.

Der Erfolg zahlt auch auf die Gesamtwertung ein. Nach sechs von neun Doppelsitzerrennen führen Wendl und Arlt mit 466 Punkten vor Gatt/Schöpf (384). Eggert/Müller liegen mit 359 Punkten auf Rang vier, Orlamünder/Gubitz mit 234 auf Platz neun. Der EM-Titel ist damit mehr als ein Einzelergebnis – er passt in eine konstant starke Serie, die in Richtung Saisonhöhepunkte Gewicht bekommt.

Im Bob fehlen Johannes Lochner in Altenberg nur 0,02 Sekunden zum Sieg im Vierer. Im letzten Viererbob-Weltcuprennen seiner Karriere wird er Zweiter hinter Adam Ammour, Francesco Friedrich komplettiert mit 0,15 Sekunden Rückstand das deutsche Dreifachpodium. Ausschlaggebend ist ein Fehler Lochners kurz vor dem Ziel im zweiten Durchgang. „Ich bin einfach froh, es war bis jetzt eine geile Reise“, sagt der Zweierbob-Gesamtweltcupsieger, der sich am Samstag bereits den Gesamtweltcup im Zweier gesichert hatte. Die Botschaft bleibt trotz verpasstem Sieg klar: Die Form ist da – im Eiskanal entscheidet manchmal ein einziger Moment über Platz eins oder zwei.

Podestplätze in Oberhof und starke Rückkehr von Morgan

In der Nordischen Kombination gelingt Julian Schmid bei der Weltcup-Rückkehr nach Oberhof eine starke Aufholjagd bis auf Rang drei. Johannes Rydzek wird Siebter, Vinzenz Geiger belegt am Wochenende die Plätze 23 und elf. Gerade bei Geiger zeigt sich: Wenn auf der Schanze Meter fehlen, wird die Laufarbeit zur Schadensbegrenzung – und Podestchancen werden schnell zur Rechenaufgabe. Schmid, Rydzek und Geiger haben die interne Olympia-Norm bereits erfüllt, was im Kampf um Startplätze den Druck aus den kommenden Wochen nimmt und Spielraum für gezielte Formsteuerung schafft.

Auch Nathalie Armbruster bestätigt in Oberhof ihre Linie: Nach Platz zwei am Vortag wird sie diesmal Dritte hinter Ida Marie Hagen und Minja Korhonen. Für Hagen ist es der 25. Sieg im Einzel-Weltcup. Armbruster setzt damit nach der Disqualifikation am vergangenen Wochenende ein sportliches Zeichen – nicht mit großer Geste, sondern mit einem stabilen Ergebnis im direkten Vergleich.

Im Snowboard fährt Ramona Hofmeister in Bansko im Parallel-Riesenslalom auf Rang drei und holt damit nach ihrem Sieg am Samstag das zweite Podium binnen zwei Tagen. Ein Fehler im Halbfinale kostet die Chance auf den nächsten Erfolg, der Auftritt bleibt aber ein deutliches Signal: Wer nach einem Comeback schnell wieder in den Medaillenkampf fährt, hat nicht nur die Technik, sondern auch das Wettkampfgefühl rechtzeitig zurück. Bei den Männern wird Yannik Angenend wie am Vortag Vierter und verpasst erneut knapp das Podium.

Besonders aufmerksam verfolgt wurde der Auftritt von Annika Morgan bei den Laax Open. Rund anderthalb Monate nach ihrem Handbruch fährt sie im Slopestyle auf Platz sechs und erfüllt damit bei ihrer einzigen Chance die Olympia-Vorgabe – gefordert war eine Top-8-Platzierung. Morgan hatte sich Anfang Dezember im Training einen Bruch des dritten Mittelhandknochens zugezogen und war operiert worden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach der Verletzungspause so gut fahre. Jetzt bin ich einfach hungrig auf die Olympischen Spiele“, sagt Morgan. Bundestrainer Michael Dammert lobt den Auftritt unter schwierigen Windbedingungen: „Das hat sie mega souverän gemacht. Von einer Verletzung zurückzukommen und sich hier unter diesen Bedingungen so zu präsentieren – darauf sind wir als Team sehr stolz.“

Weitere ordentliche deutsche Resultate runden den Tag ab: Katharina Hennig Dotzler wird in Oberhof Achte über zehn Kilometer klassisch – ihr bestes Saisonergebnis. Nach 25:15,2 Minuten fehlen ihr 8,1 Sekunden zu Rang vier. Laura Gimmler läuft auf Platz elf, Pia Fink auf 13, Sofie Krehl auf 17; Moa Ilar gewinnt das Rennen. Linus Straßer belegt im Slalom von Wengen Rang elf, Sebastian Holzmann wird 24. Nach dem ersten Lauf lag Straßer auf Rang zwölf, 1,91 Sekunden hinter Atle Lie McGrath, der am Ende vor Lucas Pinheiro Braathen und Henrik Kristoffersen gewinnt. Holzmann lag nach dem ersten Lauf mit Startnummer 34 auf Rang 18 und damit in einer Position, in der Weltcup-Punkte auch mit Blick auf die Olympia-Nominierung Gewicht bekommen.

Im Skispringen wird Karl Geiger in Sapporo 14. und erfüllt damit die halbe Olympia-Norm. Domen Prevc gewinnt erneut, Philipp Raimund ist an beiden Tagen bester Deutscher (Ränge 15 und neun). Luca Roth bleibt mit den Plätzen 31 und 46 ohne Punkte, Ben Bayer mit 52 und 47 ebenfalls.

Die deutschen Para-Skilangläufer beenden ihren Heim-Weltcup in Finsterau ohne Sieg, holen aber an vier Wettkampftagen insgesamt drei zweite und vier dritte Plätze. Die offene Staffel mit Nico Messinger, Sebastian Marburger, Linn Kazmaier und Lennart Volkert wird zum Abschluss Zweite hinter dem russischen Team.

Unterm Strich zeigt dieser Sonntag eine deutsche Mannschaft, die in vielen Disziplinen wettbewerbsfähig ist – und in entscheidenden Fällen nicht nur „gut unterwegs“, sondern mit Siegen, Podien und erfüllten Normen konkret liefert. Gleichzeitig bleibt die Botschaft des Tages: Auf dem Weg zu den Winterspielen liegen zwischen „ganz vorne“ und „knapp dahinter“ oft nur ein Schießfehler, ein Windstoß oder zwei Hundertstel.

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